Manchmal überraschen uns die Dinge, ohne dass wir danach suchen. Genau so ging es Heike Wirtz. Vor neun Jahren suchte sie eigentlich eine Wohnung für ihre Schwiegereltern. Auf der Website des Wohnungsbaugesellschafts Grafshaft Moers stieg jedoch plötzlich ein alter Kiosk an der Wilhelmstraße ins Auge. "Ich war sofort total verliebt", erinnert sich die Bewohnerin von Kamp-Lintfort. Dieses kleine Haus liegt direkt neben dem ehemals großen Bauwerk der alten Wilhelmschule.
Sie glaubte zunächst, dass sie ihren Mann davon überzeugen müsse, die Idee zu unterstützen. "Doch wir waren uns beiden sicher, dass sich daraus etwas Tolles entwickeln lässt, trotz seiner Größe." Den Namen für den Ort fanden sie rasch. Da in dieser Gegend Kioske oft als Trinkhallen bezeichnet werden, nannten sie es jetzt "Die kleine Kunsthalle". Zwar bot der Ausblick auf die andere Straßenseite möglicherweise keinen besonders ansprechenden Anblick – damals gab es dort nämlich ein baufälliges altes Parkhaus. Doch der ehemalige Kiosk wurde tatsächlich sehr gemütlich. Bei vier oder fünf Kursteilnehmern müssen einfach einige Möbel umgestellt werden, doch diese enge Umgebung verleiht dem Ganzen sogar eine besondere Intimität. Diese angenehme Beschränktheit scheint auch eine pädagogische Wirkung zu haben: Farben und Pinsel sind ordentlich gestapelt in den Regalen untergebracht. "Ich muss hier Ordnung halten, denn sobald ich das nicht tue, bricht unmittelbar Unordnung aus."
Und plötzlich traf es einen wie ein Schlag: Entlassung aus Gründen des Eigengebrauchs. Das kleine Kunststudio sollte nun zu einem einfachen Zwei-Personen-Office umgewandelt werden. Ihr erster Gedanke war: "Ich muss woandershin gehen – das funktioniert nie." Tatsächlich überlegte sie ernsthaft, ob sie damit aufhören solle, an künstlerischen Projekten und Kurseinzügen teilzuhaben. Doch allmählich wurde ihr klar, dass Veränderungen normal sind und diese Situation vielleicht sogar eine Gelegenheit bieten könnte. Die Wohnungsbaugesellschaft Graf von Moers bot ihr stattdessen etwas Annehmbares an: Plötzlich hatte man viel mehr Platz zur Verfügung, die Möglichkeit erhöhte Sichtbarkeit vor Augen gehalten, weil das neue Studio direkt neben dem EK3 liegt, mit sechsmaligen Fenstern und hohen Hallenräumen. Ja, dort lässt sich definitiv Luftieriges anordnen als in dem engen kleineren Raum.
Zumindest: Endlich los von diesen „unordentlichen Ecken“.
„Der Schmerz der Trennung ist noch sehr präsent“, meint er/sie. Heike Wirtz Aber damit wird sich schon noch leben lassen. Etwas jedoch wird sie möglicherweise nicht vermissen: "Dieser Stapel gerüschter Bezüge," erklärt sie und deutet schüchtern auf einige Leinwände, die unter dem Tisch verstaut sind. Im Hintergrund ihres neuen Ateliers gibt es dafür eine Lagerroute. "Ich muss auch nicht mehr ständig hin- und herschaffen", fügt die Künstlerin hinzu.
Sieben Ateliers laden ein, ihre Türen zu öffnen.
Zusätzlich zur Einladung durch Heike Wirtz öffnen weitere Künstlerinnen und Künstler ihre Ateliers für Kunst und Diskussionen an einem Tag. Am Schirrhof im Bereich der Friedrich-Heinrich-Allee 79 finden Besucher vier Ateliers vor: dort arbeitet der Bildhauer Jörg Winke sowie Edelgard Wittkowski, Barbara Lübbehusen und Andrea Much. In unmittelbarer Nähe, innerhalb des Beamtenviertels, bieten Ulrike Kistner und Barbara Ziebuhr ihren gemeinsamen Arbeitsraum „Farbraum“ auf der Krusestraße 23 sowie Andrea Willicks auf der Stephanstraße 36 ihr Atelier für Gäste. Für jene, die etwas Abstand vom Stadtzentrum suchen möchten, empfiehlt sich das Werkstattatelier von Anne Schary (eine Künstlerin und Schmuckschaffende), welche sich auf der Moerser Straße 373 befindet. Wer hingegen die künstlerischen Leistungsfähigkeiten von Michaela Vahrenholt bewundern möchte, muss bis zum Dachsberg fahren; hier findet man sie unter der Adresse Mühlenstraße 210 – jedoch steht dieses Atelier nur samstags zur Verfügung.
Wer nun also nochmal schnell einen unverbindlichen Blick in das Kleinod an der Wilhelmstraße werfen möchte, hat dazu schon bald Gelegenheit. Am Wochenende 26. und 27. April, jeweils von 11 bis 18 Uhr, gibt es wieder die offenen Ateliers in Kamp-Lintfort. Auch Heike Wirtz wird dann noch mal das Türchen öffnen und ihre Kunst präsentieren.
Wer die Projekte des Abschlussstudenten in Design kennt, merkt sofort einen Unterschied. Aktuell entfernt er sich leicht von dem sanften "Wohnzimmergemälde", wie sie es beschreibt. Sie werden stärkere Kontraste und abstraktes Design bemerken, sowie unvermutete Elemente. Für Kunstmenschen mit einem enger gespannten Budget hat sie kleinformatige Werke vorrätig. Dieses Jahr bietet ein besonderes Angebot an, das die Künstler aus Kamp-Lintfort eingeführt haben: Jeder Beteiligte stellt gegen 15 Euro eine Überraschtasche zur Verfügung. Wie Heike Wirtz erklärt, kauft man da buchstäblich die Katze im Sack – doch was drinnen steckt, sind zumindest die Werke der beteiligten Künstler.
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Und als zusätzlicher Anreiz gibt es einen Preis: In diesem Jahr spendieren alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler jeweils ein Werk für die Lotterie. Um sich darauf bewerben zu können, müssen die Interessenten alle zehn Studios an dem vergebenen Wochenende auftreten sehen und den Beleg dafür im Flyer bestätigen lassen.